Site Overlay

Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin. Erfahren Sie mehr über ihren Alltag, über Droste als Dichterin und Briefschreiberin, ihr Privatleben, ihre Familie und Freund:innen und über den Briefverkehr im 19. Jahrhundert. Lernen Sie ihre Wohnorte wie die Burg Hülshoff, das Rüschhaus oder Meersburg in Multimedia-Storys kennen. Oder chatten Sie doch mal mit Annette! Viel Spaß!

Erweiterte Suche in den Briefen


Müde wie ein Postpferd

Was Du von mir denkst, meine liebe alte Mama, das weiß der liebe Gott, aber das weiß ich wohl, daß ich ganz unschuldig bin und in den letzten vier Wochen oft nicht wusste, wo mir der Kopf stand. Ich bin jetzt schon in der 5. Woche bey der Mertens, die sehr gefährlich krank gewesen ist. Ich habe viel Last gehabt, so viel wie in meinem Leben noch nicht. Ich habe die arme Mertens Tag und Nacht verpflegt, fast ganz allein; denn ihrer Kammerjungfer hatte sie grade zuvor aufgesagt, weil sie trinkt, und konnte sie nun gar nicht mehr um sich leiden, (…) ihre beiden ältesten Mädchen sind in der Pension. Adele Schopenhauer immer krank. So war ich die Nächte zuWeiterlesenMüde wie ein Postpferd

Die treuen Thielmanns

(…) Dass Werner krank gewesen ist, wußte ich schon ziemlich lange durch Briefe von Cöln, habe es jedoch nicht eher erfahren, bis er schon ganz wieder hergestellt war, es freut mich aber außerordentlich zu erfahren, daß der junge Thielemann so freund mit ihm ist. Wir haben doch wirklich überhaubt getreue und aufrichtige Freunde an Thielemanns, und ich will nicht leugnen, daß mir ihre Entfernung wahrhaft hart fällt, sie hat mir vor etwa vier Wochen geschrieben, und ich hätte ihr längst geantwortet, wenn sich nicht gleich nachher die fatale Äquinoktials[1]Tag- und Nachtgleiche-Krankheit eingestellt hätte, wo ich in starken drey Wochen durchaus nicht schreiben und lesen sollte.(…)  [+] [−] References ↑1 Tag- und Nachtgleiche

Der Prinz interessiert mich nicht

(…) Cöln ist halb verrückt über den Prinzen Wilhelm und seine Frau, die es jetzt in seiner Mitte hat, aber das sind Sachen, die mich nicht interessieren. Im Karneval gehn Clemens und Pauline nach Cöln, ich werde mich aber hübsch zu Haus halten, es kostet nur Geld, und ich habe gar kein Verlangen danach. (…)

Heiserkeit, Kopfweh, Todesgedanken

Seit gestern, lieber Vetter, haben sich einige Symptome bey mir eingestellt, die vielleicht bey Bestimmung der passenden Arznei Einfluss haben könnten. Ich bin nämlich, nachdem ich, wie Sie wissen, schon einige Tage Husten gehabt, gestern Abend so heiser geworden, daß ich eine Stimme habe wie der beste Bassist, — auch ein schwindelndes übelndes Kopfweh hatte ich gestern Abend, Jucken auf der Herzgrube — Brennen der Hände und einen starken Anflug von Niedergeschlagenheit und Todesgedanken — die Nacht habe ich recht angenehm aber etwas unruhig und taumlich geschlafen, — jetzt, kurz nach dem Erwachen, finde ich die Heiserkeit noch wenig vermindert — so lange ich lag, die Brust ziemlich stark gedrückt und mit Schleim verstopft, so daß der Atem etwas röchelte,WeiterlesenHeiserkeit, Kopfweh, Todesgedanken

Ausgedroschener Stoff

(…) Was mein damals angefangenes Trauerspiel anbelangt, so habe ich es noch fortgesetzt bis zum dritten Akt, dann blieb es liegen, und jetzt wird es auch wohl ferner liegen bleiben, Es enthält zwar mitunter ganz gute Stellen, aber der Stoff ist übel gewählt, hätte ich es in damaliger Zeit fertig gemacht, wo ich dieses noch nicht einsah, sondern mir im Gegentheil diese Idee sehr lieb und begeisternd war, so wär es wohl so übel nicht geworden, aber es ist ein entsetzlicher Gedanke einen Stoff zu bearbeiten, für den ich nicht die mindeste Liebe mehr habe, es ist mir leid, ich wollte, daß ich es damahls fertiggemacht hätte, außerdem habe ich in dieser Zeit nichts Bedeutendes aufzuweisen, außer einer Anzahl Gedichte,WeiterlesenAusgedroschener Stoff

Der Letzte der Mohikaner

(…) ich habe von den Büchern für Caroline, die ihr auf dem Klavier gelassen habt, eine Partie aufgeschnitten und gelesen, — ich dachte, wenn ich sie allenfalls, auch behalten müsste, so wäre die ganze Pastete, die ich losschnitt, doch nur für einen halben Thaler, es war, der Letzte der Mohikaner, von Cooper, unbeschreiblich interessant, vorzüglich die ersten Teile, – die Letzten sind zwar eben so schön, aber man ist schon mehr an die Schreibart gewöhnt, die anfangs so sehr frappiert. (…)

Gewissensbisse

(…) Ich habe mich unbeschreiblich schwer von Cöln getrennt; solange der liebe Onkel noch bey mir war, kam es mir vor, als ob ich noch nicht recht fort wäre. Aber am andren Tage, als ich so mit einem münsterischen Fuhrmann immer weiter fortfuhr, da war mir so zumute, daß ich mir immer vorsagen mußte: „Du kömmst ja zu deinen Eltern“, um nicht den ganzen Tag zu weinen. Am andern Tage ging es schon durch bekannte Örter, und des Nachmittags um fünf Uhr sah ich meine liebe Mutter wieder, in einem Dorfe eine Stunde weit von Hülshoff, bis wohin sie uns entgegen gefahren; eine halbe Stunde nachher, unterwege, Ferdinand, Caroline und Malchen, dann zu Hülshoff den lieben Papa und heute mittagWeiterlesenGewissensbisse

Auf Wohnungssuche für Pauline

(…) Schilt nicht zu arg, liebstes Päulchen, über meine scheinbare Fahrlässigkeit, Du kannst nicht denken, was alles dazwischen gekommen ist, um mich zuerst gänzlich am Schreiben und dann am gehörig schnellen Einziehn der nötigen Nachrichten zu verhindern. Wir haben unsre ganze Reise unter Regengüssen abmachen müssen, was für mich eine tüchtige Erkältung und fast vierzehn Tage Bettliegen zur Folge gehabt hat. Sobald ich aber wieder auf den Strümpfen war, bin ich auf Kundschaft ausgegangen, konnte aber bey der ersten der drei für Dich passenden Wohnungen wegen Abwesenheit, bey der zweiten wegen Unentschlossenheit des Eigentümers anfangs zu keinem Resultate kommen, und bey der dritten (dem neuen Schlosse) sollte gar erst die Erlaubnis der Regierung von Karlsruhe eingeholt werden, wo, wie manWeiterlesenAuf Wohnungssuche für Pauline

Der Letzte der Mohikaner

(…) ich habe von den Büchern für Caroline, die ihr auf dem Klavier gelassen habt, eine Partie aufgeschnitten und gelesen, — ich dachte, wenn ich sie allenfalls, auch behalten müsste, so wäre die ganze Pastete, die ich losschnitt, doch nur für einen halben Thaler, es war, der Letzte der Mohikaner, von Cooper, unbeschreiblich interessant, vorzüglich die ersten Teile, – die Letzten sind zwar eben so schön, aber man ist schon mehr an die Schreibart gewöhnt, die anfangs so sehr frappiert. (…)

Man lebt hier recht angenehm und überaus ungeniert

(…) Meine Mutter hatte bey unserer Abreise ein Unwohlsein, Schwindel, plötzliche Übelkeiten, die mich doch sehr besorgt machten, so daß ich nur sehr ungern und halb gezwungen ging. Seitdem war die letzte Nachricht von Haus der plötzliche Tod unrer Anna (meines Bruders Töchterchen), und auf diesen Schrecken nun seit anderthalb Monaten keine Zeile! Sie können sich meine Angst nicht denken. Ich stand morgens im Finstern auf und wartete stundenlang an der Treppe auf den Postboten, damit man mir keinen Brief mit übeln Nachrichten unterschlagen könne, und ich glaube, wenn es länger gewährt hätte, wäre ich krank oder verrückt geworden. Gottlob! Der Brief ist da und alles gut. (…) Übrigens geht es Sch[ücking] sehr gut. Er ißt, was ihm schmeckt ohneWeiterlesenMan lebt hier recht angenehm und überaus ungeniert

Schlichtungsversuch im Familienstreit

(…) Onkel Karl war eben bey mir und erzählte mir von einem Verstoße zwischen Dir und Bökendorf, um sechs Schock Bohnenstangen. Er setzte mir auseinander, daß sechsunddreißig Schock derselben, aus den gemeinschaftlichen Forsten zum gemeinschaftlichen Gebrauche gehauen und, nur damit sie nicht gestohlen würden, sämtlich in Vörden aufbewahrt worden, und jetzt Bökendorf einen kleinen Teil derselben nötig bedurft, Du aber den Wagen leer zurückgeschickt hättest. Ich weiß nicht, was Du, lieber Guido, vielleicht dagegen zu antworten haben magst, ob Du diesen unbedeutenden Artikel vielleicht als geschenkt, gekauft et cet. völlig meinst in Anspruch nehmen zu können. Aber ich bitte Dich, um der Liebe willen, die ich immer zu Dirund alle den Deinigen getragen habe, wirf nicht eine so unbedeutende KleinigkeitWeiterlesenSchlichtungsversuch im Familienstreit

Copyright © 2026 Nach 100 Jahren. All Rights Reserved. |  by John Doe
Grimme Online Award
Nach 100 Jahren
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.