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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin. Erfahren Sie mehr über ihren Alltag, über Droste als Dichterin und Briefschreiberin, ihr Privatleben, ihre Familie und Freund:innen und über den Briefverkehr im 19. Jahrhundert. Lernen Sie ihre Wohnorte wie die Burg Hülshoff, das Rüschhaus oder Meersburg in Multimedia-Storys kennen. Oder chatten Sie doch mal mit Annette! Viel Spaß!

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Herumwalzen auf den Cölner Bällen

(…) Es geht mir hier übrigens sehr gut. Cöln ist im Winter äußerst angenehm. Ich habe einige Bälle besucht, wo ich aber den Leuten den Aberglauben, daß ich von wegen meiner subtilen Figur gut tanzen müsste, gelassen habe, nämlich dadurch, daß ich gar nicht getanzt habe, als allenfalls einmahl herumgewalzt. Die Bälle sind hier äußerst brillant, selbst das gewöhnliche Lokal ist sehr groß, und am Karneval-Montag wurde auf dem Kaufhause, genannt der Gürzenich, getanzt, wo mehrere tausend Menschen auf der Redoute waren. Es war wieder ein großer Aufzug wie in den vorigen Jahren. Der König Karneval hatte sich eine Braut aus dem Monde geholt. Ich werde Dir die ganze Sache einmahl mündlich erklären, schriftlich ist es nicht gut möglich. AberWeiterlesenHerumwalzen auf den Cölner Bällen

Es ist mir doch so wunderlich, daß ihr fort seid

(…) daß Schonebeck schon seit vierzehn Tagen, und drüber, tot ist, hätte ich fast Dir zu schreiben vergessen, da ich meinte, Du müsstest es schon wissen, — die Meinungen sind geteilt darüber, ob sein Tod nachteilig oder umgekehrt auf die Lage seiner Familie wirken werde — daß er am Meisten verzehrte, ist bekannt, indessen soll das Wenige von Bedung, was noch in seinen Geschäften sich erhalten, auch allein von ihm ausgegangen sein! — Gott lenke Alles zum Besten! — Ich habe, leider, aus Jenny’s Briefe an Lotte gesehn, daß ihr vielleicht noch vier Wochen auszubleiben gedenkt — das ist doch ein bisschen sehr lange — es geht mir zwar hier übrigens recht gut, — aber es ist mir doch soWeiterlesenEs ist mir doch so wunderlich, daß ihr fort seid

Münster war nie so glänzend wie jetzt

(…) Ich bin vor einigen Tagen auf einige Tage in Münster gewesen, um die berühmte mimische Künstlerin Madame Händel-Schütz zu sehen, die sich jetzt dort aufhält, und auch wohl einige Zeit bleiben wird (sollte Sie dies wundern, so müssen Sie wissen, daß Münster wohl noch nie so glänzend gewesen wie jetzt, da alle möglichen Zivil- und Militärbüros der neuen Provinzen, und also auch die Familien der Beamten derselben, nebst einem Teil des paderbörnischen, sauerländischen und kölnischen Adels sich dort aufhält). Sie gab aber leider in der Zeit, daß ich dort war, keine mimische Vorstellungen, sondern nur Deklamatonen. Es ziemt mir nicht mein Unheil über eine Künstlerin zu äußern, worüber ganz Deutschland schon so sehr zu ihrem Vortheile entschieden hat, undWeiterlesenMünster war nie so glänzend wie jetzt

Der Letzte der Mohikaner

(…) ich habe von den Büchern für Caroline, die ihr auf dem Klavier gelassen habt, eine Partie aufgeschnitten und gelesen, — ich dachte, wenn ich sie allenfalls, auch behalten müsste, so wäre die ganze Pastete, die ich losschnitt, doch nur für einen halben Thaler, es war, der Letzte der Mohikaner, von Cooper, unbeschreiblich interessant, vorzüglich die ersten Teile, – die Letzten sind zwar eben so schön, aber man ist schon mehr an die Schreibart gewöhnt, die anfangs so sehr frappiert. (…)

Mein gepreßtes Herz

Uebrigens bin ich innerlich – (o Anna, ich bitte, verstehe mich diesmal recht) sehr gefaßt; man hält meine Zurückgezogenheit wahrscheinlich für Stolz unter meinen Bekannten, denn sie sind fast sämtlich schüchtern und demütig gegen mich geworden, aber mir desto ergebener. Ach Gott, wenn sie einmahl in mein gepresstes Herz sehen könnten, sie würden mich nicht mehr lieben. Liebe Anna, ich will Dir eine böse Richtung meines Charakters nicht verderben – sieh, so wie ich strenger gegen mich werde, werde ich es auch gegen andere – ich komme mir unwillkürlich und unabänderlich vor, wie ein strenger, unglücklicher Richter, der die härteste, nagenste Strafe seiner eigenen Fehler in der unerbittlichen Bestrafung ähnlicher an anderen finden muß; ich fahre großen erwachsenen Leuten mitWeiterlesenMein gepreßtes Herz

Ausgerechnet die Einlage flattert davon!

(…) Nun zur Beantwortung deines Briefes, liebe Mama, den eingeschlossenen Zeddel von der Amme habe ich nicht gelesen, und es freut mich, jetzt zu erfahren, daß nichts Wichtigeres darin gestanden hat, oder vielmehr nichts Geheimeres, denn sonst ist mir der Amme ihr Briefchen gewiß lieb und werth. Ich bekam den ganzen Brief von Tony eben wie ich in den Schlitten stieg, um nach Apenburg {Abbenburg} zu fahren, konnte aber nicht gut bis zu meiner Ankunft dort warten, und öffnete ihn deshalb unterwegs und ein Windstoß wirft mir in dem Augenblick, wie ich die Blätter aus dem Couvert ziehe, die kleine Einlage weit weg in den Schnee, ich ließ sogleich und späterhin suchen, und war, als sie sich gar nicht wiederWeiterlesenAusgerechnet die Einlage flattert davon!

Unser Hülshoff liegt öde

(…) mein Bruder Werner wohnt jetzt auch in der Stadt, die öftere Kränklichkeit seiner Frau und Kinder haben den Vorwand dazu hergeben müssen — ich glaube, hätte er gradezu gesagt, er langweile sich auf dem Lande, so wäre er der Wahrheit am nächsten geblieben. Meine Schwägerin zeigt sich noch fortwährend als ein gutes harmloses Geschöpf, und die Kinder sind gesund und gutmüthig, obgleich übrigens weder sehr hübsch noch sehr lebhaft — das erstere hätte man wohl hinsichtlich der beiden Eltern erwarten können. Unser liebes Hülshoff liegt somit jetzt öde — es sind zwar ein paar Leute dort geblieben, um Garten und Haus einigermaßen in Ordnung zu halten, aber man weiß wohl, wie es mit unbewohnten Gütern geht; Werner hat soWeiterlesenUnser Hülshoff liegt öde

Nachwuchs bey Schückings

(…) bekam gleich darauf einen triumphierenden, strahlenden Brief von Schücking, datiert vom 20. Am vorigen Abend um 7 Uhr hatte er einen jungen Sohn bekommen und ist außer sich vor Freude und Hoffart. Er findet das Kind jetzt schon wunderschön, schreibt, es gleiche Luisen, habe schwarze Löckchen mitgebracht, und sie hätte ihm gleich nach dem Bade einen Scheitel gemacht. Es sei groß, dick und fett, habe lange Hände, Füße und Ohren, werde somit in die baumlangen Galls schlagen, und er sei der einzige von allen seinen schriftstellernden Freunden, der einen Jungen habe, und noch dazu so einen Staatskerl! Was ihm gewiß schrecklich viel Neid zuziehn werde. Er verlangt auch, ich solle sogleich ein Gedicht an das Kind machen. Kurz, erWeiterlesenNachwuchs bey Schückings

Münster war nie so glänzend wie jetzt

(…) Ich bin vor einigen Tagen auf einige Tage in Münster gewesen, um die berühmte mimische Künstlerin Madame Händel-Schütz zu sehen, die sich jetzt dort aufhält, und auch wohl einige Zeit bleiben wird (sollte Sie dies wundern, so müssen Sie wissen, daß Münster wohl noch nie so glänzend gewesen wie jetzt, da alle möglichen Zivil- und Militärbüros der neuen Provinzen, und also auch die Familien der Beamten derselben, nebst einem Teil des paderbörnischen, sauerländischen und kölnischen Adels sich dort aufhält). Sie gab aber leider in der Zeit, daß ich dort war, keine mimische Vorstellungen, sondern nur Deklamatonen. Es ziemt mir nicht mein Unheil über eine Künstlerin zu äußern, worüber ganz Deutschland schon so sehr zu ihrem Vortheile entschieden hat, undWeiterlesenMünster war nie so glänzend wie jetzt

Ach, Grillen habe ich viele

(…) Auch den Walter werde ich mitbringen! Erschrecken Sie nicht! Es sind nur einzelne Stellen, etwa in jedem Gesange drei oder vier Strophen, die ich Sie nochmals anzuhören bitte. Es kömmt mir fremd an, zu sagen, daß eine meiner Arbeiten von einem meiner Freunde zu scharf beurtheilt ist; denn Freundes Urteil ist sonst nur allzu milde und hat manches gute Talent verdorben. Doch waren wir damals noch nicht bekannt miteinander, und ich wünschte, Sie könnten sich, sobald ich das Heft zur Hand nehme, denken, es sei von einem andern. Das Gedicht ist im ganzen sehr mißglückt und matt, im einzelnen aber nicht immer. Ich arbeite jetzt nichts, gar nichts, so gern ich dran möchte; die Tage sind zu kurz undWeiterlesenAch, Grillen habe ich viele

Malchen, die „Leib- und Magen-Ketzerin“

(…) Dass Hassenpflugs schon seit Monaten hier sind, Mann, Frau und drei Kinder, weißt Du wohl schon, und Tante Dine wird dir hierüber alles so genau sagen, daß ich nichts hinzu fügen könnte, — Malchen war auch bis vor einigen Tagen hier, zu unsrer großen Freude, ist aber vor drei Tagen abgereist, sie hat mich noch beym Abschiede gebeten, Dich aufs Herzlichste zu grüßen, ich sagte ihr, daß Du es nicht hättest leiden können, daß sie Dir immer einen Handkuss geschickt hätte, sie sagte: es sei ihr so zu Mute gewesen, daß sie Dir hätte die Hand küssen mögen, darum habe sie es geschrieben. (…) Galen habe ich nun auch öfter gesehn, er ist gutmüthig, und gewiß nicht ohne VerstandWeiterlesenMalchen, die „Leib- und Magen-Ketzerin“

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