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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin. Erfahren Sie mehr über ihren Alltag, über Droste als Dichterin und Briefschreiberin, ihr Privatleben, ihre Familie und Freund:innen und über den Briefverkehr im 19. Jahrhundert. Lernen Sie ihre Wohnorte wie die Burg Hülshoff, das Rüschhaus oder Meersburg in Multimedia-Storys kennen. Oder chatten Sie doch mal mit Annette! Viel Spaß!

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Herumwalzen auf den Cölner Bällen

(…) Es geht mir hier übrigens sehr gut. Cöln ist im Winter äußerst angenehm. Ich habe einige Bälle besucht, wo ich aber den Leuten den Aberglauben, daß ich von wegen meiner subtilen Figur gut tanzen müsste, gelassen habe, nämlich dadurch, daß ich gar nicht getanzt habe, als allenfalls einmahl herumgewalzt. Die Bälle sind hier äußerst brillant, selbst das gewöhnliche Lokal ist sehr groß, und am Karneval-Montag wurde auf dem Kaufhause, genannt der Gürzenich, getanzt, wo mehrere tausend Menschen auf der Redoute waren. Es war wieder ein großer Aufzug wie in den vorigen Jahren. Der König Karneval hatte sich eine Braut aus dem Monde geholt. Ich werde Dir die ganze Sache einmahl mündlich erklären, schriftlich ist es nicht gut möglich. AberWeiterlesenHerumwalzen auf den Cölner Bällen

Der Brief aus Eppishausen

Eppishausen den 22ten OCTOBRE Hätte ich Ihnen früher schreiben können, theuerster meiner Freunde, ich hätte es gethan, — aber grade Ihnen kann ich nicht zu jeder Stunde schreiben, und Sie dürfen Sich Immerhin für Etwas halten, wenn ich sage, für Sie ist mir noch keine Stunde passend gewesen, — ich habe mich indessen mit allerley umher geschlagen, viel Ausflüge in die Gegend, viel Besuche aus dem Hause, und viele ins’s Haus, — abwechselnd den anmuthigen Gast und die erfreute dienstfertige Wirthin gemacht, aus dem Geräusch in Abspannung, aus der Abspannung wieder in die Zerstreuung, — glauben Sie mir, es gehört was dazu, bis man Jedem sein Recht widerfahren lassen, und alles PLAISIR ausgestanden hat, wozu man PRAEDESTINIRT worden, – aberWeiterlesenDer Brief aus Eppishausen

Mamas letzter Wille

Für Dich allein zu lesen (…) Wegen der Präbenden von meinem und Mamas Vermögen habe ich mit Wernern gesprochen. Er ist mit allem zufrieden, sagt, wegen der meinigen Wünsche und könne er ja auch keine Schwierigkeiten machen, da ich ja völlig Herr darüber sei; Mama aber scheine kein Testament machen zu wollen, sondern habe ihm ihre Dispositionen gesagt und er ihr sein Wort gegeben, alles so auszuführen, wenn wir es zufrieden wären, was sie für ausgemacht annahm. Diese Dispositionen sind aber ganz anders, wie ich sie erwartet, und so, daß Werner und Du jeder 1000 Taler erhalten sollten, von dem übrigen aber, was etwas mehr ist, so daß es statt 40 50 Taler Zinsen bringt (zu 4 Prozent berechnet), sollteWeiterlesenMamas letzter Wille

Gewissensbisse

(…) Ich habe mich unbeschreiblich schwer von Cöln getrennt; solange der liebe Onkel noch bey mir war, kam es mir vor, als ob ich noch nicht recht fort wäre. Aber am andren Tage, als ich so mit einem münsterischen Fuhrmann immer weiter fortfuhr, da war mir so zumute, daß ich mir immer vorsagen mußte: „Du kömmst ja zu deinen Eltern“, um nicht den ganzen Tag zu weinen. Am andern Tage ging es schon durch bekannte Örter, und des Nachmittags um fünf Uhr sah ich meine liebe Mutter wieder, in einem Dorfe eine Stunde weit von Hülshoff, bis wohin sie uns entgegen gefahren; eine halbe Stunde nachher, unterwege, Ferdinand, Caroline und Malchen, dann zu Hülshoff den lieben Papa und heute mittagWeiterlesenGewissensbisse

Skrupel wegen einer Zeile

(…) Mit der äußeren Ausstattung des St. Bernhard bin ich sehr zufrieden, sie ist in der Tat sehr anständig, einen einzigen Druckfehler habe ich gefunden, der aber den Sinn nicht entstellt und mir somit keinen Kummer macht. Er kömmt vor bey der Szene im Grabgewölbe: „So liegen Sie, und keine Thräne Rann auf die bleiche Wange noch“, statt dessen steht „Kam auf die bleiche Wange noch“. Dies macht einigermaßen den Eindruck, als erwarte man, daß die Leichen weinen sollten, dahingegen das rann das Hinabträufeln fremder Thränen deutlicher bezeichnet; doch das macht wenig und ist ohne Zweifel meine undeutliche Schrift schuld daran. Was mich mehr betrübt, ist, daß ich jetzt überzeugt bin, zuviel gestrichen zu haben, geschrieben sieht alles so langWeiterlesenSkrupel wegen einer Zeile

Ich hoffe, Sie sind vorsichtig mit meinen Briefen

(…) sie [Amalie Hassenpflug] hat mich lange warten lassen, und die Freude war groß bey der Ankunft – sie ist doch gar lieb und schön! Mir war ordentlich wunderlich zu Mute, als sie die Treppe hinauf kam, und ich das stolze noble Gesichtchen immer deutlicher erkannte, was in diesem Augenblicke, durch eine Bewegung der Liebe und Freude schöner war als je. Wir gingen auf meine Stube, und traten zusammen vor den Spiegel, weil sie ihr Haar ordnen wollte, ich fuhr beschämt zurück, so miserabel nahm ich mich neben ihr aus, ich sagte ihr dies auch, und sie antwortet, noch weinend vor Freude, „Du bist wohl toll! ich denke eben, wie garstig ich neben dir aussehe!“ – so blind macht dieWeiterlesenIch hoffe, Sie sind vorsichtig mit meinen Briefen

Wie die Blattläuse

(…) Wir bekommen hier eine Menge Journale – die „Modezeitung“ – das „Morgenblatt“ – den „Telegraphen“ – „Vaterland“ – „Ausland“ – „Königsberger Literaturblätter“ … Wenn ich sehe, wie so alles durcheinander krabbelt, um berühmt zu werden, dann kömmt mich ein leiser Kitzel an, meine Finger auch zu bewegen. Geduld! Geduld! Aber wenn ich dann wieder sehe, wie einer kaum den Kopf über dem Wasser hat, daß schon ein anderer hinter ihm einen Zoll höher aufduckt und ihn niederdrückt; wie Heine schon ganz verschollen, Freiligrath und Gutzkow veraltet sind – kurz, die Zelebritäten sich einander auffressen und neu generieren wie Blattläuse, dann scheint mir’s besser, die Beine auf dem Sofa zu strecken und mit halbgeschlossenen Augen von Ewigkeiten zu träumen. MirWeiterlesenWie die Blattläuse

Herr Mertens – mal nicht ganz so übel gelaunt wie sonst

(…) Mit Arno habe ich nicht geschrieben, weil ich gerade nach Plittersdorf geholt wurde, wo ich die Mertens sehr leidend antraf, es waren aber nur Krämpfe, und so konnte ich nach drei Tagen wieder hieher gehen. Sie brachte mich sogar selbst zurück, obgleich sie in den Tagen, die ich bey ihr war, mehrere Male vor Schmerzen ohnmächtig wurde; sie ist übrigens im ganzen ziemlich gesund jetzt; dies war nur so ein einzelner Anfall, sonst kann sie gewaltig viel vertragen und ist so gut zu Fuße, daß ich mich darüber wundern muß — sie läuft von Plittersdorf nach Bonn und wieder zurück in einem Tage, und dabey den ganzen Tag auf den Straßen umher. Mit Tony glaubt sie ganz prächtig fertigWeiterlesenHerr Mertens – mal nicht ganz so übel gelaunt wie sonst

Und nun zu Uhland!

(…) Und nun zu Uhland, des Äußeres keineswegs vorteilhaft ist, und der doch gefällt, wiederum durch große Bescheidenheit, Einfachheit und einen überwiegenden Zug von Güte, sonst ist er häßlich, seine Gestalt stämmig, fast gemein, feuerrotes Gesicht, und dazu stammelt er, was ihn so verlegen macht, daß er zuweilen aus Angst von einem Fuße auf den andern springt, aber plötzlich fährt ein geistiges Blitzen über sein Gesicht, oder ein unbeschreiblicher Zug von Milde und Teilnahme, daß man ihm gern die Hand drücken möchte, wenn man nicht dächte es bringe ihn in größte Verlegenheit. Er und Laßberg haben sich sehr lieb, und beide sprangen (da Laßberg, seit seinem Falle vor fünf Jahren, hinkt) auf die komischste Weise vor Freude im Zimmer umher,WeiterlesenUnd nun zu Uhland!

Ich hab ja meine Pillen

Ich habe zwar sehr lange nicht geschrieben, liebste Mama, aber ich hoffe doch, daß du mir nicht böse bist, ich habe es wirklich nicht gekonnt, angefangene Briefe liegen genug in meinem Schreibtisch, aber ich habe sie nie in einem Stück fertig schreiben können, und wenn sie dann so‘n paar Tage alt waren, so wurden sie mir zuwider, und ich fing wieder Neue an, die auch nicht weiter kamen, du mußt nur nicht denken, liebste Mama, als ob ich besonders krank wäre, die Leute wollen behaupten, ich sähe besser aus, als da ich hieher kam, und es kömmt mir bisweilen selbst so vor, auf jeden Fall befinde ich mich seit dem Driburger Bade viel besser, was Leib- und Magenschmerzen und Uebligkeiten,WeiterlesenIch hab ja meine Pillen

Was kann mir dann Großes begegnen?

Liebste Jenny, ich bin krank, kann gar nicht schreiben und muß doch, seit 14 Tagen, über meine Kräfte – zwey Briefe an Dich, wovon ich an dem einen zwey, an dem andern vier Tage mich geplagt hatte, habe ich zerreißen müssen, weil unterdessen Alles anderst eingerichtet worden war, nun kann ich aber nichts mehr! und da Mama selbst kömmt, kann sie dir auch von allen Verwandten und Freunden zehnmal umständlicher selbst erzählen. Ich schicke Dir also für dieses mal nur dieses wunderliche Blatt, was die inwendig voll geschriebene Adresse eines der Briefe war und allerley enthält, was ich sonst abschreiben müste, und mich wirklich in diesem Augenblicke gar nicht capable[1]capable: fähig dazu fühle. (…) Wie leid es mir thut, nichtWeiterlesenWas kann mir dann Großes begegnen?

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