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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin. Erfahren Sie mehr über ihren Alltag, über Droste als Dichterin und Briefschreiberin, ihr Privatleben, ihre Familie und Freund:innen und über den Briefverkehr im 19. Jahrhundert. Lernen Sie ihre Wohnorte wie die Burg Hülshoff, das Rüschhaus oder Meersburg in Multimedia-Storys kennen. Oder chatten Sie doch mal mit Annette! Viel Spaß!

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Mamas letzter Wille

Für Dich allein zu lesen (…) Wegen der Präbenden von meinem und Mamas Vermögen habe ich mit Wernern gesprochen. Er ist mit allem zufrieden, sagt, wegen der meinigen Wünsche und könne er ja auch keine Schwierigkeiten machen, da ich ja völlig Herr darüber sei; Mama aber scheine kein Testament machen zu wollen, sondern habe ihm ihre Dispositionen gesagt und er ihr sein Wort gegeben, alles so auszuführen, wenn wir es zufrieden wären, was sie für ausgemacht annahm. Diese Dispositionen sind aber ganz anders, wie ich sie erwartet, und so, daß Werner und Du jeder 1000 Taler erhalten sollten, von dem übrigen aber, was etwas mehr ist, so daß es statt 40 50 Taler Zinsen bringt (zu 4 Prozent berechnet), sollteWeiterlesenMamas letzter Wille

Das bewußte Paket

(…) Ich war, um das bewußte Paket zu holen, in Münster bey Ihrer Tante, die ich noch immer hübsch und sehr angenehm finde. Ich hoffte, bey dieser Gelegenheit manches von Ihren Sachen, woran mir liebe Erinnerungen hängen, mal wieder vor Augen zu bekommen, Ihr Schreibzeug, Ihre Bücher, alle die kleinen Andenken von Ihrem Nippestische: aber wahrscheinlich war alles in einer Plunderkammer aufgestapelt, denn die Tante setzte mich in den Kanapee und holte das Bezeichnete herbey. Ich tat natürlich, als sei mir der Inhalt unbekannt, und als wünschten Sie nur Ihre wichtigsten Papiere an einem Ort, wo sie binnen den acht Jahren nicht durch Umziehn dem möglichen Verlust ausgesetzt wären; doch schien die Tante etwas pikiert und meinte, auf die DiskretionWeiterlesenDas bewußte Paket

Jenny verläßt Rüschhaus

(…) Ich hoffe, es geht dir gut, ich bin gewiß davon, denn Laßberg ist sehr gut; sage ihm doch auch, wie sehr ich das anerkenne und daß, wenn Du einmahl weit fort mußt, ich Dich mit niemandem lieber gehn lasse wie mit ihm. Uns hier ist es noch was einsam, das kannst Du denken, aber das viele Reden und Schreiben drüber nützt zu nichts. Ich sehe gottlob, daß Mama ganz fest entschlossen ist, im nächsten Frühling nach Eppishausen zu gehn, d.h. zum Besuch. So werden die paar Monate ja wohl herumgehn; ich muß mir vorstellen, Du wärst so lange bey Malchen oder in Bökendorf; sonst warst Du den Sommer über fort, jetzt den Winter. Ich habe diese Tage über DeineWeiterlesenJenny verläßt Rüschhaus

Wir haben unser Korn glücklich eingekriegt

(…) Ja, alte Mama, mir geht es nicht besser, ich mag nur nicht davon sprechen, weil es mir dann zu arg wird. Du weißt selbst, wenn ich auch zuweilen nichtsnützig bin, wenn Du da bist, so kann ich doch gar nicht ohne Dich sein. Ich setze mich drüber weg, so gut es geht, da es nun doch mal nicht anders ist, und denke jeden Sonntag: „Nun bin ich wieder eine Woche näher am Mai, aber es wird mir oft recht schwer. Deine Blumen besorge ich gut und will sie nachher Mariechen auf die Seele binden. Wir haben unser Korn alle glücklich eingekriegt und auch den Weizen noch vor der Regenzeit in die Erde, sonst sind hier viele Leute, die damitWeiterlesenWir haben unser Korn glücklich eingekriegt

Anderer Leute Geheimnisse

(…) Was ist dieses aber von wegen Carl? — ich habe es von Werner erfahren, und mich halb tot darüber gewundert, — den habe ich grade für den Unversöhnlichsten gehalten! — es ist aber sehr gut, daß er es weiß! — du weißt wohl was ich meine. — ich mag nicht gern über andrer Leute Geheimnisse schreiben. Solltest du etwa noch nicht wissen, wie dein Bruder Clemens hinter sämtliche Geschichten gekommen ist, so will ich es dir berichten, — ich habe es von Werner, dem er es selbst erzählt hat. — Wie wir nach Hamm waren, hatte ich meine kleinen Briefe von Anna Ferdinand aufzuheben gegeben, der ist in der größten Not, wo er sie sicher genug verstecken soll, undWeiterlesenAnderer Leute Geheimnisse

Der Brief aus Eppishausen

Eppishausen den 22ten OCTOBRE Hätte ich Ihnen früher schreiben können, theuerster meiner Freunde, ich hätte es gethan, — aber grade Ihnen kann ich nicht zu jeder Stunde schreiben, und Sie dürfen Sich Immerhin für Etwas halten, wenn ich sage, für Sie ist mir noch keine Stunde passend gewesen, — ich habe mich indessen mit allerley umher geschlagen, viel Ausflüge in die Gegend, viel Besuche aus dem Hause, und viele ins’s Haus, — abwechselnd den anmuthigen Gast und die erfreute dienstfertige Wirthin gemacht, aus dem Geräusch in Abspannung, aus der Abspannung wieder in die Zerstreuung, — glauben Sie mir, es gehört was dazu, bis man Jedem sein Recht widerfahren lassen, und alles PLAISIR ausgestanden hat, wozu man PRAEDESTINIRT worden, – aberWeiterlesenDer Brief aus Eppishausen

Jenny verläßt Rüschhaus

(…) Ich hoffe, es geht dir gut, ich bin gewiß davon, denn Laßberg ist sehr gut; sage ihm doch auch, wie sehr ich das anerkenne und daß, wenn Du einmahl weit fort mußt, ich Dich mit niemandem lieber gehn lasse wie mit ihm. Uns hier ist es noch was einsam, das kannst Du denken, aber das viele Reden und Schreiben drüber nützt zu nichts. Ich sehe gottlob, daß Mama ganz fest entschlossen ist, im nächsten Frühling nach Eppishausen zu gehn, d.h. zum Besuch. So werden die paar Monate ja wohl herumgehn; ich muß mir vorstellen, Du wärst so lange bey Malchen oder in Bökendorf; sonst warst Du den Sommer über fort, jetzt den Winter. Ich habe diese Tage über DeineWeiterlesenJenny verläßt Rüschhaus

… ob Du etwas gegen die Herausgabe hast?

(…) Ich habe jetzt ein neues Gedicht geschrieben, von der Größe wie das „Hospiz auf dem St. Bernhard“. Es heißt „die Schlacht im Loener Bruch“ und besingt die Schlacht bey Stadtlon, wo Christian von Braunschweig die Jacke voll kriegt. Man findet es besser als meine übrigen Schreibereien, und ich habe einen sehr artigen Brief von Hüffer bekommen, der um den Verlag bittet, ich habe ihm denselben auch zugesagt, falls ich es herausgebe. Ich schrieb dies an Adele Schopenhauer und bekam gleich die Antwort, ich möge das ja nicht tun und keinen obs[k]uren Verleger nehmen, das falle auf das ganze Werk zurück; sie habe einen Verleger für mich in Jena, es war aber zu spät. Wenn es herauskömmt, muß es beyWeiterlesen… ob Du etwas gegen die Herausgabe hast?

Die Folgen einer Verwechslung

(…) Wir haben binnen wenigen Monaten viel Angst ausgestanden, doch ist gottlob nur ein Schlag niedergefallen: wir haben den guten Onkel Fritz Haxthausen verloren, ein recht betrübender Verlust, jedoch einer, wie viele im Leben vorkommen und womit man sich abfinden muß. Aber daß Mama und ich, seine einzigen Pfleger – denn er war zuletzt hier in Münster – zwey Monate voraus wußten, er sterbe an Magenkrebs und werde wahrscheinlich zuletzt verhungern, das war sehr hart und überstieg zuweilen, wenn er so geduldig und voll Hoffnung war, wirklich unsre Kräfte. Der Himmel ließ es nicht zum Aeußersten kommen, ein Schlagfluß[1]Schlagfluss: Schlaganfall trat früher hinzu. Wohl ein Glück, aber doch ein mit vielem Schrecken verbundenes. Seitdem – auch schon früher – warenWeiterlesenDie Folgen einer Verwechslung

Kopfweh, Knacken, Kollern im Leibe

(Schilderung der seit dem 7. November neu aufgetretenen Krankheitssymptome) 1. Kopfweh, vorzüglich im Hinterkopf, morgens gelind, nachmittags stärker, abends oft sehr heftig.2. Knacken mitten im Kopfe, so oft ich ihn umdrehe.3. Knacken der Kinnlade.4. Etwas Neigung zu leerem Aufstoßen.5. Einmal schmerzhaftes Stechen auf der Herzgrube.6. Zuweilen ein kurzer Stiche in der Seite über der Hüfte, meistens links, selten rechts.7. Kollern im Leibe.8. Etwas Beschwerde beym Atmen.9. Ein beständiger dumpfer Schmerz in der linken Brust, zuweilen in Stiche ausartend, wonach es besser zu werden pflegt.10. Einmal ein Stich mitten in der Brust, wo der Brustknochen am höchsten ist, aber unter demselben.11. Zuweilen etwas rascher Puls mit einigem Herzklopfen, etwas außer Atem sein, und innerem Zittern.12. Häufiger Schmerz im Rücken sowie unterWeiterlesenKopfweh, Knacken, Kollern im Leibe

Ich will ihn in Zukunft nicht mehr Unwille, sondern Unmuth nennen

Auch meinen innigen Dank, meine theure Ludowine, für das schöne süße Kränzchen, es ist wie mein Leben aus vielen schönen bunten Freudenblumen zusammengesetzt, und sieht mich so hold so freundlich an, wie die freundlichen Tage meiner Kindheit, oder wie die schöne kurze Zeit, die ich in dem lieben Bökendorf verlebte, dem guten August danke ich herzlich für das schöne Gedicht. Grimm sage, es thäte mir herzlich leid, daß er seine Namensveränderung oder Verdrehung so übel genommen hätte, und da es ihm so sehr mißfiele, so wollte ich ihn in Zukunft nicht mehr Unwille, sondern Unmuth nennen übrigens werde ich die Märchen mit größter Freude sammeln, um ihn zu versöhnen, ewig, deine Nette

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